Das I- Ging

Das I- Ging, "Das Buch der Wandlungen" ist ein etwa 2000 Jahre altes Orakel aus China, das durch die Übersetzung von Richard Wilhelm Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Weg in die westliche Welt gefunden hat.

Von ihm ist auch das klassische Einsteiger- Buch, das ich sehr empfehlen kann, auch wenn manche Menschen mit der Sprache etwas Schwierigkeiten haben könnten.

 

Die Grundstruktur des I- Ging besteht aus den 8 Grundzeichen, den sogenannten "Trigrammen".

Diese bestehen aus drei übereinander gemalten Strichen.

 

 

Diese Trigramme haben folgende Zuordnung:

 

Das Schöpferische, der Himmel, (Vater), es besteht aus 3 Yang- Strichen übereinander

Das Empfangende, die Erde, (Mutter), es besteht aus drei Yin- Linien übereinander

erster Sohn, das Erregende, der Donner, unten ist eine Yang- Linie, darüber zwei Yin- Linien

zweiter Sohn, das Abgründige, das Wasser, die Gefahr, unten und oben Yin, in der Mitte Yang

dritter Sohn, das Stillehalten, der Berg, die unteren beiden Yin, darüber Yang

erste Tochter, das Sanfte, der Wind, unten Yin, darüber zweimal Yang,

zweite Tochter, das Haftende, das Feuer, unten und oben Yang, in der Mitte Yin,

dritte Tochter, das Heitere, der See, unten zweimal Yang, darüber Yin..

 

Dabei stehen die Yang- Striche für das Schöpferische Prinzip, das Agieren, von innen heraus.

Die Yin- Striche stehen für das empfangende Prinzip, das Reagieren auf etwas, (das aus der Aussenwelt kommt).

 

Jeweils zwei Trigramme übereinander ergeben die eigentlichen I- Ging- Zeichen, die sogenannten " Hexagramme".

Es gibt 64 Hexagramme.

 

Dabei ist das untere Trigramm der "Platz der menschlichen Angelegenheiten",

das obere Trigramm ist der "Platz der kosmischen Angelegenheiten".

Dazu später mehr.

 

In der ursprünglichen Variante wird es wohl durch ein bestimmtes Zählsystem durch Abzählen von 50 Schafgarben- Stengeln genutzt, das habe ich nur ein paarmal vor mehr als 20 Jahren gemacht, daher ist mir das nicht mehr so geläufig.

Es funktioniert aber ebenso mit 3 Münzen, die sechsmal hintereinander geworfen werden.

Das ist die schnellere Variante, die ich seit ca. 25 Jahren täglich nutze.

Ich nehme dazu 20 Cent- Münzen, da in ihnen die 2 enthalten ist. Das ist leichter zu merken.

 

Eine Seite zählt 2, entspricht yin, weiblich,

die andere Seite zählt drei, entspricht yang, männlich.

 

 

Die drei Münzen werden zusammengezählt und es ergeben sich in der Summe folgende Möglichkeiten:

 

2 und 2 und 2 ergeben Sechs, das wird gezeichnet als unterbrochene Linie mit einem X darin, also -- X --.

Dies ist eine "bewegte Linie".

2 und 2 und 3 ergeben Sieben, das wird gezeichnet als eine durchgezogene Linie, also etwa ---- (sollte eig. durchgehen, macht der PC nur nicht so richtig). Dies ist eine "feste" Linie.

2 und 3 und 3 ergeben 8, das wird gezeichnet als unterbrochene Linie, also etwa so: --  --.

Dies ist auch eine "feste Linie".

3 und 3 und 3 ergeben 9, wird gemalt wie ein durchgezogener Strich mit einem Kreis. Ich vermute, dass ich das mit den PC- Zeichen nicht hinbekomme. Es ist etwa so: ---O---, nur dass der Strich eigentlich durchgeht. Es ist auch eine "bewegte Linie".

 

Das Zeichen baut sich von unten nach oben auf.

 

Das heisst: Die Summe des ersten Wurfes bestimmt die unterste / erste Linie,

die Summe des zweiten Wurfes bestimmt die zweite Linie usw.

 

Die 6 und 9 sind die bewegten oder wandelnden Linien. Daher der Name: Buch der Wandlungen.

Durch sie ergibt sich die Situation, dass aus einem Ausgangszeichen (erstes Hexagramm) ein zweites Zeichen entsteht (zweites Hexagramm).

Die 6 ist eigentlich eine unterbrochene Linie und wandelt sich in ihr Gegenteil, in eine durchgezogene Linie.

Die 9 ist eigentlich eine durchgezogene Linie und wandelt sich in ihr Gegenteil, in eine unterbrochene Linie.

 

Bei der Struktur des I- Ging gibt es also immer wieder die Möglichkeit, dass eine, zwei oder mehrere Linien sich bewegen, wenn auf den entsprechenden Plätzen in der Summe eine 6 oder 9 gekommen ist.

 

Das kann dann z. B. folgendermassen aussehen:

Ausgangspunkt einer Situation ist Hexagramm 35, der Fortschritt.

Unten auf dem Platz der menschlichen Angelegenheiten ist "das Empfangende", die Erde.

Oben auf dem Platz der kosmischen Angelegenheiten ist "Das Haftende, das Feuer".

Es können jetzt etwa die erste, die zweite  und die vierte Linie bewegt sein.

So ergibt sich als zweites Zeichen das Zeichen 41: "die Minderung".

Unten ist "der See", oben "das Stillehalten, der Berg".

In den entsprechenden I- Ging - Büchern kann ich also den Text des ersten Zeichens lesen, die Texte zu den drei entsprechenden wandelnden Linien und den Text zum zweiten Zeichen.

 

Das Interessante am I- Ging ist, dass ich

zum einen eine Beschreibung meiner aktuellen Situation bekomme,

zum anderen, dass sich daraus etwas Neues entwickeln kann und wird.

Dieses Tendenz ist in symbolischer Form und Sprache dargestellt.

 

Es gibt inzwischen recht viele verschiedene I- Ging- Interpretationen in deutscher Sprache.

Davon möchte ich einige in der nächsten Zeit hier kurz vorstellen.

 

Für diejenigen, die das I- Ging kennernlernen oder nutzen möchten, ist es meiner Meinung nach nötig, wenigstens eine Übersetzung / Interpretation davon zu haben.

Es gibt inzwischen viele verschiedene Varianten.

 

Ich nutze bei meinen täglichen morgendlichen "Tagesthemen" auch mehrere. Ich lese mir jeweils drei verschiedene Interpretationen durch, um etwas "geistiges Futter" zu haben.

 

Zum Einstieg empfehle ich den Klassiker von Richard Wilhelm aus der gelben Reihe von Diederichs.

Richard Wilhelm        "I- Ging,  Das Buch der Wandlungen"      Text und Materialien

Dieses Buch gibt es sowohl als einfache Ausgabe als auch mit erweiterten Texten.

Die einfache Ausgabe ist für den Anfang völlig ausreichend.

 

Ein weitere, häufig genutzte Ausgabe ist von R. L. Wing und heisst: "Das illustrierte I- Ging".

 

Eine moderne und ziemlich interessante Variante ist von Rene van Osten und heisst:

"I-Ging   Das Buch vom Leben".

 

Eine weitere, recht moderne Interpretation ist von Norbert A. Eichler und heisst: "Das Buch der Wirklichkeit".

Er hat ein völlig neues Zahlensystem zu den Hexagrammen entwickelt. Insofern entfernt er sich vom Original.

 

Von Thomas Cleary gibt es eine Version "Das Tao des I- Ging". Er hat wohl herausgefunden, dass jedes Hexagramm eine innere Verbindung zum übernächsten Hexagramm hat und beschreibt diese Zusammenhänge.

 

Von Marguerite de Surany gibt es das Buch: "I- Ging und Kabbala". Sie beschreibt hier unter anderem eine Verbindung zur jüdischen Kabbala und zur chinesischen Medizin.

 

In einer Übersetzung von John Blofeld  gibt es "Das Buch der Wandlung  I-Ging", mit einem Vorwort von Lama Anagarika Govinda. Es ist recht gut verständlich und einigermassen nah an der Übersetzung von Richard Wilhelm.

 

Von Frits Blok gibt es das Buch: "I-Ging  Die Landschaften der Seele" Neue Gedanken zu einem alten chinesischen Orakel. Auch dies ist eine recht moderne Interpretation.