In dieser Rubrik möchte ich darüber berichten, wie ich die acht Archetypen im I- Ging erlebe.

Sie bilden die Grundstruktur, auch "Trigramme" genannt und sind die Basis des I- Ging.

Sie bestehen aus drei übereinanderstehenden Linien, die jeweils verdoppelt werden und damit die sog. "Hexagramme" bilden.

Sie spiegeln auch unser Aufwachsen und unsere Rolle in der Geschwister- Reihenfolge und sind somit auch ein Anzeiger für unser Erleben.

Ich muss zum besseren Verständnis vorweg nochmal einen kleinen Ausflug in den Aufbau des I- Ging machen, auch wenn ich das an anderer Stelle schon beschrieben habe.

Das I- Ging als Bild besteht aus 6 übereinander stehenden Strichen, auch "Hexagramme" genannt.

Diese sind entweder Yang (männlich) und durchgezogen gemalt,

oder Yin (weiblich) und unterbrochen gemalt.

Manche dieser Linien sind sog. bewegte Linien. Daraus ergibt sich ein zweites Zeichen.

Die 6 Linien sind aufgebaut aus zweimal drei Linien. Dies sind die sog. "Trigramme".

Das untere Trigramm wird bezeichnet als der Platz der menschlichen Angelegenheiten,

das obere Trigramm wird benannt als der Platz der kosmischen Angelegenheiten.

 

Meiner Beobachtung nach beschreibt das untere Trigramm unser direktes persönliches Umfeld,

das obere Trigramm den Kontext des Grossen und Ganzen, in dem wir unterwegs sind.

 

Es gibt acht Trigramme im I- Ging.

Da sie verdoppelt werden (zwei übereinander stehen) ergibt es 64 verschiedene Hexagramme.

 

Die acht Archetypen der Trigramme heissen wie folgt:

 

Der Himmel

Die Erde

Der Donner

Das Wasser

Der Berg

Der Wind

Das Feuer

Der See

 

Sie spiegeln auch verschiedene Daseinszustände.

So ist

Der Himmel auch der Vater, schöpferisch, ausdauernd, besteht aus drei Yang- Linien.

Die Erde ist die Mutter, empfänglich, gebärend, besteht aus drei Yin Linien.

Der Donner ist das Erregende, bewegend, aktiv gestaltend,

               der erste Sohn, unten Yang, darüber zwei Yin- Linien.

Das Abgründige, das Wasser, die Gefahr ist der zweite Sohn.

              Es ist eine Yang- Linie umschlossen von einer Yin- Linie darunter und darüber.

Das Stillehalten, der Berg ist der dritte Sohn.

             Es hat oben eine Yang- Linie, darunter zwei Yin- Linien.

Das Sanfte, der Wind ist die erste Tochter.

            Es hat die unterste Linie Yin, darüber zwei Yang- Linien.

Das Haftende, das Feuer ist die zweite Tochter.

            Es hat in der Mitte eine Yin- Linie, darüber und darunter eine Yang- Linie.

Das Heitere, der See ist die dritte Tochter.

            Es hat unten zwei Yang- Linien, darüber eine Yin- Linie.

 

Interessant dabei ist, dass die Söhne zwei Yin- Linien, eine Yang- Linie haben,

                                  die Töchter zwei Yang- Linien, eine Yin- Linie haben.

 

In meiner Familie sind wir im Kreis von Vater, Mutter und 6 Geschwistern aufgewachsen.

Wir sind tatsächlich 3 Söhne  und 3 Töchter, spiegeln damit auch diese Archetypen des I- Ging.

 

Dabei scheint es mir so zu sein, dass wir  Menschen durch unsere Reihenfolge in der Geschwister- Abfolge einerseits eine bestimmte Rolle spielen / erlernen,

andererseits diese Archetypen in uns wohnen und uns zu bestimmten Handlungen drängen, z. B. in der Berufswahl.

Darüber möchte ich später noch mehr schreiben.

Es kann uns zu einem grösseren Verständnis unseres Selbst und unserer Rolle im Leben führen, wenn wir uns über diese Zusammenhänge mehr bewusst werden.

 

Im jahrelangen täglichen Gebrauch des I- Ging ist mir aufgefallen, dass es durchaus immer wieder einer Situationsbeschreibung entspricht, was das I- Ging mir anzeigt.

 

So kommt immer wieder mal

der Donner, wenn Bewegung im Spiel ist,

das Wasser, die Gefahr, wenn es darum geht, schwierige Situationen durchzustehen,

der Berg, das Stillehalten, wenn es ruhiger ist,

der Wind, wenn es um stetiges Handeln und sanfte Beweglichkeit geht,

das Feuer, wenn es um Lebendiges Wirken geht,

der See, wenn es um Handeln im Kollektiv geht.

 

Dabei ist es immer wieder von Belang, wo die entsprechenden Trigramme stehen, ob sie oben oder unten stehen (Platz der menschlichen und Platz der kosmischen Angelegenheiten).

 

Die Archetypen in der Geschwisterfolge.

 

Durch meine jahrelange, tägliche Nutzung des I- Ging ist mir auch einiges aufgefallen, was anscheinend den Menschen in der Geschwister- Reihenfolge prägt.

Das möchte ich im folgenden beschreiben.

 

Der älteste Sohn hat die Entsprechung: "Das Erregende, Der Donner."

Er möchte etwas im Leben bewegen.

Er hat vermutlich eine grosse Portion Aufmerksamkeit bekommen, sofern er das erste Kind war. Insofern hat er möglicherweise ein gutes oder gesundes Selbsbewusstsein.

Er ist vermutlich vielseitig und politisch interessiert.

Als der erste der Söhne musste er vermutlich als Jugendlicher auch Freiräume erkämpfen, musste also phasenweise den Kämpfer und Krieger geben.

 

Der zweite Sohn entspricht dem Trigramm "Das Abgründige, das Wasser, die Gefahr."

Ich bin der zweite Sohn, insofern finde ich mich dort recht treffend beschrieben.

In der I- Ging- Literatur tauchen dazu auch noch Begriffe auf wie "das Rad, das Reisen", die "anstrengende körperliche Arbeit", "das Ohr, das Hören".

Ich habe zwar Abitur gemacht, aber keine Berufsausbildung.

Mein angefangenes Studium habe ich abgebrochen und bin in eine politisch- handwerklich orientierte Kommune auf einer Burg auf dem Land gezogen.

Dort habe ich 10 Jahre gelebt und habe mich dann auf den Weg gemacht, um zu lernen, mir selbständig meinen Lebensunterhalt zu verdienen. In dieser Zeit bin ich für etwa 6 Jahre als Reisender mit Wohnmobil unterwegs gewesen (Das Rad, das Reisen), habe ich meine Stringboards gekauft und meine ersten Erfahrungen mit meinem Musikzelt gemacht. Viele Jahre habe ich auch von Strassenmusik gelebt (beides: das Ohr, das Hören). Inzwischen hat sich mein Musikzelt einigermassen etabliert und es trägt zumindest zum grossen Teil zu meinem Lebensunterhalt bei.

Ich habe seit etwa 25 Jahren kein festes oder geregeltes Einkommen (die Gefahr).

Ich habe in der Regel nur das Geld zur Verfügung, das ich mir durch meine Aktionen verdiene.

Der längste Job, den ich bisher hatte, war ein 400- Euro- Job im Garten- und Landschaftsbau (die anstrengende körperliche Arbeit).

Im grösseren Bekanntenkreis habe ich mehrfach festgestellt, dass der zweite Sohn anscheinend  häufiger Schwierigkeiten hat, z. B. durch Krankheiten, eine Beeinträchtigung / Behinderung.

Mindestens in der Kindheit / Jugend hat der zweite Sohn vermutlich ein latent angeknackstes Selbstbewusstsein, da der ältere Bruder stärker, grösser ist, viele Sachen besser kann.

 

Der dritte Sohn ist in der Entsprechung "das Stillehalten, der Berg".

Er ruht vermutlich ziemlich in sich selbst.

Meiner Einschätzung nach hat er in der Jugend eine eher neutrale Position.

Im späteren Leben kann es sein, dass er eine Position einnimmt, in der er relativ viel Aufmerksamkeit bekommt. Es sind unten zwei Yin, darüber eine Yang- Linie. Es erinnert mich an eine Kanzel in der Kirche...

 

Die älteste Tochter hat als Archetyp: "Das Sanfte, der Wind".

Zum Thema des Windes finden wir im I- Ging Begriffe wie ausdauernd, durch Beharrlichkeit Erfolge erzielen, durch Kleines Gelingen....

Das (arche)typische an der älteren Tochter ist vermutlich eine Art "Kümmer-Instinkt".

Sie kümmert sich im Kindes- oder Jugendalter schon oft.um die jüngeren Geschwister.

Das ist vermutlich der urweiblich- mütterliche Aspekt. Bei der Berufswahl spielt dieser sicher auch oft eine Rolle, sodass wir hier möglicherweise häufiger Lehrerinnen, Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen finden. Es wäre zumindest mal interessant, dieses näher zu untersuchen.

 

Die mittlere Tochter hat den Archetyp " Das Haftende, das Feuer".

Mein Eindruck ist, dass sie der intellektuellere und künstlerisch interessierte Typ unter den Schwestern ist.

Sie braucht vermutlich etwas, das ihr in der Art von sinnvollen Idealen Kraft gibt, etwas, was sie begeiste(r)t, vielleicht auch mehr "geistiges Futter" in Form von Büchern, Anregungen.

 

Die dritte Tochter hat als Archetyp "Das Heitere, der See."

In der Verdoppelung als Hexagramm heisst es in der Übersetzung dazu:

"So tut sich der Edle zusammen mit seinen Freunden zur Besprechung und Einübung der Lebenswahrheiten."

Ich glaube, hier haben wir es mit einem Kollektiv- Typus zu tun.

In der Geschwister- Schar gibt es beim Aufwachsen immer andere im Umfeld, insofern ist es von Kindheit an normal, im Austausch / Kontakt mit anderen zu sein.

Das hilft bei der späteren Arbeit in Gruppen/ im Kollektiv.